Wo bitte finde ich das wundervolle Leben?

Heute passiert etwas Verwunderndes. Nachdem es zwei Wortmeldungen gibt, das „wundervolle Leben“ sei eine Entscheidung für eine bewusste Haltung oder auch Perspektive, kehrt erst einmal Stille ein. Warum denn keine weiteren Wortmeldungen? Dann doch erste Versuche der Erklärung. Einer sagt, es sei doch auch eher „ungerecht“, ein wundervolles Leben für sich zu reklamieren, wenn es vielen auf der Welt so schlecht gehe..

Vielleicht ist die Frage nach dem wundervollen Leben auch eine moralische Frage.

Muss ich denn nicht umgehend meine Ressourcen, meinen Vorsprung an wundervollem Leben teilen, abgeben, gar zurückweisen? Darf ich, anders gefragt, mein wundervolles Leben überhaupt genießen? Manche erwidern, dass ihr Leben ohnehin auch bereits viele Schwierigkeiten mit sich bringe. Ein wenig wundervolles Leben sei da schon o.k. Ist es also so, dass es niemals ein vollständiges wundervolles Leben gibt, sondern lediglich Zeiten, Erfahrungen, Erlebnisse?

Ein wundervolles Leben kann auch als eine Sammlung positiver Erfahrungen verstanden werden.

Daran anknüpfend meint eine, dann wäre wohl nicht jeder Tag, jede Stunde, Minute wundervoll, jedoch im Rückblick kann eine solche Bewertung bezogen auf das Leben möglich sein. Nicht als eine Erwartung oder gar Forderung für die Zukunft, eher als eine Art Bilanz. Sozusagen im Rückspiegel. Damit umgehen wir vielleicht das moralische Problem, so entgegnen einige, jedoch beantworten wir nicht die Frage, welche Erfahrungen, Erlebnisse, Ereignisse tatsächlich wundervoll sind. Es folgt ein Hinweis auf den Wortsinn: Wunder – voll. Etwas wird als voller Wunder erlebt.

Wenn etwas Positives unerwartet eintritt, können wir dies als ein Wunder begreifen.

Ob sich tatsächlich Wunder in einem Leben ereignen, darin sind wir uneins. Einige behaupten, wundervoll sei an sich keine gute Beschreibung für Lebensereignisse, eher könne vom guten oder glücklichen Leben gesprochen werden. Andere wiederum entgegnen, dass wundervoll eben etwas ganz anderes sei als glücklich oder zufrieden, eben unerwartet. Auch könne ein wundervolles Lebensereignis ja gar nicht aktiv angestrebt werden. Aber vielleicht braucht es eine Offenheit dafür.

Eine grundsätzliche Offenheit für positive Erfahrungen scheint eine Voraussetzung für wundervolle Lebensereignisse zu sein.

Und damit scheint sogar fast ein Konsens gefunden. Auf jeden Fall bereichert es unser Leben positiv, wenn wir uns um eine solche Offenheit kümmern. Ob wir es dann als Wunder erleben, oder als Zufall oder als Geschenk oder als ein Erarbeitetes.

Wenn ich mich zu dieser Perspektive entscheiden möchte, geschieht eben auch wundervolles in meinem Leben. Und das wundervolle Leben ist in mir.

Brauchen wir andere Menschen zum glücklich sein?

Wir finden zunächst viele Beispiele dafür, dass wir andere Menschen brauchen, um glücklich zu sein. Da ist das Glück geliebt zu sein, wert geschätzt zu werden, anerkannt. Wie sollten wir es ohne andere Menschen erfahren können? Das Glück finden wir häufig in sozialen Beziehungen. Leider sind diese auch oft der Grund dafür unglücklich zu sein.

Wir können Glück erfahren im Kontakt mit anderen Menschen.

Und dann ist da auch die biographische Tatsache, dass wir alle zunächst auf andere Menschen angewiesen sind. Als Säuglinge und Kinder brauchen wir andere Menschen nicht nur um versorgt zu sein, wir erleben auch Glück und Unglück mit ihnen. So lernen wir, dass wir andere Menschen brauchen um glücklich zu sein. Wir nehmen es sozusagen mit der Muttermilch auf.

Biographisch sind wir alle zunächst angewiesen auf andere Menschen, um glücklich zu sein.

Doch muss das so bleiben? Stellt es nicht eine wesentliche Entwicklung von uns Menschen dar, dass wir uns von anderen Menschen unabhängig machen können? Viele berichten von der Erfahrung, dass sie mit sich allein ein besonderes tiefes Glücksgefühl empfinden können. Abseits der Geschäftigkeit von Beziehungen und in Stille.

Im späteren Leben können wir auch mit uns allein und in Stille Glück empfinden.

Nun unterscheiden einige Glück von Zufriedenheit, ein tiefes, jedoch eher nur kurz anhaltendes Gefühl von einem länger anhaltenden wahr genommenen Zustand im Alltag. Dem doch meist flüchtigen Gefühl wird von einigen auch nachgesagt, dass es nur selten absichtsvoll herbei geführt werden kann. Es passiert einfach, zufällig. Dies erleben wir manchmal allein und manchmal auch mit anderen.

Verstehen wir unter glücklich sein ein eher zufälliges Gefühl, so können andere Menschen beteiligt sein oder auch stören.

Nur: warum wissen wir überhaupt vom glücklich sein? Sind wir nicht alle darauf angewiesen, dies bereits mit anderen erfahren zu haben? Einige berichten davon, dass es Menschen, die in ihrer Biographie eher glückliche Beziehungen erlebt haben, leichter fällt, auch alleine Glück zu empfinden.

Möglicherweise sind Erfahrungen von Glück in Beziehungen die Grundlage für ein empfundenes Glücksgefühl.

Zusammengefasst scheint es eher so zu sein, dass andere Menschen zum glücklich sein hilfreich sein können und zumindest in der Kindheit gebraucht werden. Im späteren Leben können wir auch Erfahrungen machen von Glück, die unabhängig von Beziehungen zu anderen Menschen bestehen.

Kann glücklich sein erlernt werden?

Wir suchen zunächst Beispiele für Erfahrungen von glücklich sein. Da bekommt einer die Kündigung und sitzt befreit vom Zwang der Arbeit am Rhein und fühlt sich glücklich. Da berichtet eine von ihrem Vater, der als „boat people“ das Glück hatte, dass es regnete und er nicht verdurstet ist. Da erzählt einer vom Kürbisrisotto, dass er gestern Abend nicht nur gekocht hat, sondern auch genießen konnte, welch ein Glück!

Wir erleben alle unterschiedliche Erfahrungen als Glück und wissen meist unmittelbar dass es so ist.

Manchmal fühlen wir uns unglücklich und wünschen Glück für die Zukunft. Manchmal merken wir erst später, wenn wir unglücklich sind, dass wir zuvor glücklich waren. Manchmal haben wir das Glück, dass uns das Glück sprichwörtlich „in die Wiege gelegt“ wird. Manchmal reicht es aus, dass wir „die Schale hinhalten“ und das Glück annehmen. Aber können wir auch etwas dazu tun, dass wir Glück erfahren?

Gerne möchten wir möglichst viele dieser glücklichen Momente erleben.

Wir diskutieren Beispiele für Glück, dass scheinbar vor jeder Erfahrung liegt. Woher wissen wir denn überhaupt, wenn wir glücklich sind, dass wir glücklich sind? Weil wir uns auf etwas beziehen können, dass wir als Menschen gar nicht lernen müssen? Dann aber wären wir verurteilt, dass wir entweder zu den Glücklichen oder zu den Unglücklichen gehören. Ein Hinweis geht darauf, dass wir möglicherweise glücklich sein in der sehr frühen Kindheit lernen, wenn wir keinen Einfluss darauf haben, wie gut wir uns fühlen.

Möglicherweise haben wir bereits glücklich sein gelernt, bevor wir darüber nachdenken können, was das Glück ist.

Das würde erklären, warum wir an unterschiedlichen Punkten über das Glück nachdenken. Manche von uns erleben das Glück als etwas Fernes und fast Unerreichbares. Manche von uns haben die Einschätzung, dass es lediglich der Achtsamkeit bedarf, das Glück wahrzunehmen, das bereits da ist. Und wir können uns nicht vorstellen, wie es Menschen geht, die jeden Tag um ihre Existenz fürchten.

Das Glück ist stets die Ausnahme, wir können lernen, dies zu akzeptieren.

Ist das Glück etwas Unerreichbares für uns, können wir zudem unsere Erwartungen an das Glück an unsere Erfahrungswirklichkeit anpassen. Und vielleicht entdecken wir dann den ein oder anderen glücklichen Moment.