Was erwartet mich in der Sonderausgabe 2026?

Das bekannte Philosophische Café Von wegen Sokrates im ZAKK wieder in einer Sonderausgabe! Und nochmals größer, länger, spannender und mit mehr Raum für Gespräche der Gäste untereinander. Wie immer sind alle Menschen eingeladen, egal wie alt sie sich fühlen oder welche Schule sie besucht haben.

Die Frage lautet diesmal:
Space Boy, Cosmic Girl or …? oder: Wie wollen wir Geschlecht in der Zukunft leben?

In der Sonderausgabe! 2026 begrüßt das Philosophische Café Von wegen Sokrates die Autorin und Podcasterin Judith Vogt. Judith Vogt lebt in Aachen und genießt den Luxus, sich in jeder Hinsicht mit Phantastik beschäftigen zu können: beim Schreiben von eigenen Romanen, Sachtexten und Rollenspielen, beim Übersetzen aus dem Englischen, als Co-Host vom „Genderswapped Podcast“, bei der Herausgabe des Kurzgeschichtenmagazins „Queer*Welten“ und beim Halten des Rekords, am häufigsten für den Phantastikpreis „Seraph“ nominiert gewesen zu sein (und ihn nie bekommen zu haben). 

Als besonderes Event wird die Singer-Songwriterin Sarah Seppendorf den Intro-Song live performen. Freut euch zudem auf Extra-Features zur Sonderausgabe! Und natürlich gibt es wie immer auch die bekannten Gadgets wie die Sprechblase, das Philosophen-Quartett und den Goldenen Teller! Du bist herzlich willkommen, ob du bereits ein regelmässiger Gast des Philosophischen Cafés Von wegen Sokrates bist oder ob du erstmals neu dazu kommen willst!

Für die Sonderausgabe gibt es einen Ticketverkauf auf der Homepage des ZAKK.

Können wir mit Liebe alles verändern?

Heute ist es Rosen auf den Tischen. Und viel Liebe von der Bühne für all die Menschen, die heute Abend gekommen sind, um über die Möglichkeiten der Liebe zu sprechen. Wir sammeln Beispiele dafür, was die Liebe alles verändern kann. Da ist Liebe für das was einer tut und das es dann besser wird. Da ist Liebe für eine andere Person, die uns dadurch wundervoll erscheint. Da ist auch das Ent-Lieben und einige Schwierigkeiten, die meine Welt verändern.

Das die Liebe vieles verändert, das scheint offensichtlich.

Und kann die Liebe alles verändern? Vielleicht auch sogar Hass und Feindschaft, meinen einige. Denn, so das Argument, da alle Menschen geliebt sein wollen, werden sie vielleicht dadurch ihren Hass ablegen können. Denn sie erkennen, dass Hass nicht zum Ziel führt. Das geht manchen zu weit. Wenn also nicht alles, so doch vieles mit Sicherheit. Und schließlich lässt sich aus dieser Überlegung ableiten, dass alle Menschen scheinbar geliebt werden wollen und es so vielen schwer fällt, zu lieben.

Vielleicht gibt es eine Tendenz dazu, geliebt werden zu wollen.

Dies könnte in der Tat erklären, warum so viele Menschen der Liebe nicht vertrauen mögen. Der Blick ist nicht auf das Lieben gerichtet, sondern auf das Geliebt werden.
Wir sind uns nicht sicher, ob alle Formen der Liebe gleichwertig sind oder ob überhaupt Liebe. Eine Person lieben sicherlich, ein Haustier wohl auch. Aber Pizza, ein Auto, ein Spielzeug, ein Haus, ein Land? Braucht Liebe nicht ein fühlendes Gegenüber?

Liebe in ihrer besonderen Form kann durch ein fühlendes Gegenüber vielleicht erst möglich sein.

Denn die Pizza hat sicherlich kein Empfinden für meine Liebe, dass eine Pizza mich aus Liebe mit Geschmacksempfindungen versorgt, scheint unwahrscheinlich. Vielleicht bleibt so etwas wie Selbstliebe, mich selbst mit einer Pizza gut zu versorgen und meine Bedürfnisse anzuerkennen.
Die Selbstliebe kommt daher etwas mehr in den Fokus des Gesprächs. Was verändert sich nicht alles, wenn ich mich selbst anerkenne und wert schätze, gar liebe?!

Mit Liebe kann ich möglicherweise vor allem mich selbst verändern.

So mögen Hass und Neid und Missgunst und Gewalt gegen andere Personen vielleicht nur von einer Unfähigkeit zur Selbstliebe zeugen.
Dann wäre mit Liebe tatsächlich fast alles zu verändern.

Was schuldet die Gesellschaft mir?

Heute also Teil 2 der Frage nach der wechselseitigen Verantwortung zwischen Gesellschaft und einzelnen Personen. Wir sammeln zunächst Beispiele und Ideen. Einer nennt da Struktur und Regeln als Schuld der Gesellschaft. Eine andere die Sorge um ein friedliches Miteinander. Noch eine Person benennt Toleranz und Respekt für die Besonderheit des Einzelnen. Wieder eine andere Person möchte vor allem ihre Freiheit garantiert wissen.

Es gibt viele verschiedene Ideen für eine Schuld der Gesellschaft dem einzelnen gegenüber.

Doch woher nehmen diese Positionen ihr Argument? Gibt es wirklich eine Schuld der Gesellschaft der einzelnen Person gegenüber? Es folgt ein Argument aus der möglichen Entstehung von Gesellschaft: Einzelne Personen schließen sich zusammen zu ihrem gemeinsamen Schutz und Garantie für verschiedene Rechte. In einem Gesellschaftsvertrag treten einzelne Personen ihre natürlichen Rechte an eine rechtliche Person „Gesellschaft“ ab, und daher rührt eine Schuld der Gesellschaft.

Aus der Position eines „Gesellschaftsvertrages“ lässt sich eine Schuld der Gesellschaft seinen angehörigen Personen gegenüber ableiten.

Doch es gibt auch Gegenstimmen. Einen „Vertrag“ habe schließlich niemand wirklich abgeschlossen oder diesem zugestimmt. Vielmehr werde eine Person in eine bestimmte Gesellschaft hinein geboren und gehöre fortan dieser an. Entgegnet wird, dass jede Person schließlich das Recht habe, auszutreten oder einzutreten. Zumindest formal, wenn auch nicht immer in der Realität.

Durch meine Entscheidung, in einer bestimmten Gesellschaft zu bleiben, erhalte ich bestimmte Rechte (und auch Pflichten).

Eine radikale Position nimmt schließlich unser heutiger Gastphilosoph, Sören Kierkegaard ein. Er ist der Überzeugung, die Gesellschaft schulde dem einzelnen gar nichts. Vielmehr stehe die Gesellschaft der Verwirklichung der einzelnen Existenz sogar im Weg. Wir verstehen diesen Einwurf als eine Aufforderung zu einer kritischen Haltung gegenüber der Gesellschaft.

Vielleicht verstellt die Sicht auf eine „Schuld“ der Gesellschaft eine notwendige kritische Haltung dieser gegenüber.

Denn was uns die Gesellschaft schuldet, bestimmen wir durch unser Handeln in der Gesellschaft selbst. Es gilt also die Frage zu beantworten, was wollen wir als einzelne Personen in einer Gesellschaft von der Gesellschaft als kollektivem Zusammenschluss? Es wird klar, wir Können Gesellschaft nicht als von uns getrennte Institution verstehen, die uns etwas schuldet.

Was eine Gesellschaft mir schuldet, ist nicht unabhängig von meinem Haltung der Gesellschaft gegenüber.

In etwa so: Habe ich zum Beispiel die Haltung, eine Gesellschaft schuldet mir ein sorgenfreies Leben in Freiheit und Schutz, so stellt sich die Frage, wie gesellschaftlich Sorge, Gewalt und Begrenzung ausgeübt werden können, um diese Ziele zu sichern. Es wird also darauf ankommen, diese widersprüchlichen Größen zu balancieren.

Was schulde ich der Gesellschaft?

Wir starten mit einigen Beispielen von Dingen, die ich möglicherweise der Gesellschaft schulde. Da werden Respekt und Anerkennung anderer Personen genannt. Und auch freiwilliges Engagement, wenn ich dazu die Möglichkeit habe. Oder auch das Einbringen meines Wissens und meiner Fähigkeiten zugunsten der Gemeinschaft. Jedoch wird auch eine verneinende Haltung eingebracht: Da wir unsere Geburt an einem bestimmten Ort in eine bestimmte Gesellschaft nicht selbst verantwortet haben, hätten wir keine Schuld gegenüber der Gesellschaft.

Ob ich nichts oder eine ganze Menge der Gesellschaft schulde, scheint zunächst nicht eindeutig.

Einen Schritt zurück also. Was ist die Gesellschaft? Allgemein betrachtet finden wir einen halbwegs tragfähigen Konsens darin, dass es um die Gemeinschaften oder Gruppen im Viertel, in der Gemeinde, unserer Stadt, dem Landesteil oder Land oder auch der ganzen Welt geht. Je größer wir den Rahmen spannen, desto schwieriger wird es für uns zu bestimmen, ob es hier eine verallgemeinerbare Erwartung der Gesellschaft an die Einzelnen gibt. Zu unterschiedlich sind verschiedene Kulturen der Welt.

Was und ob ich etwas der Gesellschaft schulde, scheint sehr von den kulturellen Normen der Bezugsgruppe abhängig.

So mag ein Staat die Einhaltung der Gesetze und das Zahlen von Steuern einfordern. Ein Stadtviertel wohl die Einhaltung guter Nachbarschaft und Rücksichtnahme, vielleicht auch Solidarität und soziales Engagement. Wir fragen uns, ob der Begriff Schuld hier angemessen ist? Sicher, ich muss Steuern zahlen, tue ich dies nicht, kann ich juristisch belangt werden. Doch viele der Erwartungen der verschiedenen Gesellschaften sind eher freiwillig. Allerdings sind viele der Ansicht, ich sollte etwas der Gesellschaft zurück geben. Denn auch ich habe vieles von der Gesellschaft erhalten.

Vieles kann ich für die Gesellschaft tun, dass ich ihr nicht unbedingt schulde, dennoch gibt es gute Argumente, dass ich etwas für die Gesellschaft tun sollte.

Und da unser heutiger Gastphilosophi des Abends Slavoj Žižek ist, soll hier noch ergänzt werden, dass Žižek der Ansicht ist, wir schulden der Gesellschaft unsere Systemkritik. Ein anderer Gedanke findet jedoch mehr Resonanz heute. Sollten wir nicht dankbar sein, dass wir so viele gute Erfahrungen machen durften und so gute Startbedingungen in unser Leben hatten? Und angesichts dieser Dankbarkeit gerne und mit Freude unser Engagement der Gesellschaft zur Verfügung stellen?

Möglicherweise ist es gerade nicht die Frage, ob ich der Gesellschaft etwas schulde, sondern was ich gerne in die Gesellschaft einbringen will.

Hier kehren wir zurück zu Respekt und Akzeptanz. Wir wünschen uns diese in einer gerechten Gesellschaft und können möglicherweise durch unsere eigene Akzeptanz und Toleranz dazu beitragen. Vielleicht schulde ich den Menschen mit denen ich die Welt teile, lediglich die Einhaltung dieser goldenen Regel.

Wie wirklich ist meine Wirklichkeit?

Es scheint uns heute schwer, ins Gespräch zu kommen. Zunächst stossen wir auf ein Paradox: Auf eine Art sind wir immer in unserer Wirklichkeit, die uns daher als wirklich erscheint. Aus einer anderen Perspektive stellt unsere Wirklichkeit immer nur ein sehr unvollständiges Abbild unseres Erlebens dar, eine Konstruktion von Wirklichkeit.

Eine wirkliche Wirklichkeit scheint zunächst einmal ein Paradox zu sein.

Wir suchen daher Beispiele. Wenn ich träume und dann erwache, unterscheide ich eine konstruierte Traum-Wirklichkeit, die mir im Traum wirklich erscheint, von meinem wachen Erleben. Um meine erlebte Wirklichkeit als wirklich zu bewerten, sollte diese also nicht eine reine Konstruktion meines Denkens sein. Eine Stuhl ist da, ich kann mich setzen, er verschwindet nicht einfach oder verändert seine Gestalt. Eine Tür kann ich öffnen, um hindurch zu gehen, sie bleibt am gleichen Ort im Raum, auch wenn ich diesen verlasse.

Die Welt der Dinge kann ich aus der Erfahrung heraus als wirklich bewerten.

Doch wie ist es mit nicht stofflichen Gegebenheiten, zum Beispiel Gefühlen oder Motiven? Meine Gefühle und Motive sind mir unmittelbar gegeben. Dennoch kann ich aus verschiedenen Gründen mich selbst über ihre Wirklichkeit täuschen. Ein unerwünschtes Gefühl kann zum Beispiel aus dem Bewusstsein verdrängt werden und ein anderes erwünschtes wird konstruierte Wirklichkeit. Ein unmoralisches Motiv kann durch ein sozial anerkanntes ersetzt werden und zu meiner Wirklichkeit werden.

Bei nicht stofflichen Gegebenheiten können konstruierte Wirklichkeit der Person und das, was der Fall ist, verschieden sein.

Doch wer sagt schon, was der Fall ist? Eine einzelne Person kann die Menge der Zustände, welche in einem Moment aktuell sind, nicht erfassen. Es bleibt immer eine Konstruktion. Ich spüre vielleicht Trauer über den Verlust einer geliebten Person. Und dann vielleicht auch Wut. Und dann vielleicht auch Einsamkeit. Welches Gefühl ist wirklich? Alle zugleich? Jedes für sich abwechselnd? Und die Gefühle, welche ich im Moment nicht wahrnehmen kann? Doch vielleicht eine andere Person?

Wir sind gezwungen, unsere Wirklichkeit aus den wahrgenommenen Gegebenheiten heraus zu konstruieren.

Damit geraten wir erst einmal in ein Dilemma. Konstruieren wir eine private Wirklichkeit, verlieren wir die Verbindung zu anderen. Folgen wir sozialen Verbindungen in unserer Wirklichkeitskonstruktion, verlieren wir uns selbst. Wir können trauern, weil wir traurig sind und auch, weil es eine Konvention verlangt. Unsere Trauer und auch die Konvention sind wirklich. Die Wirklichkeit unserer Wirklichkeit misst sich also auch daran, ob Widersprüche einbezogen werden können.

Eine Wirklichkeit, welche für uns wirklich ist, verlangt die Akzeptanz von Widersprüchen.

Darin liegt vielleicht ein grundlegender Unterschied zwischen Wirklichkeit und Wahrheit. Eine Wahrheit hebt Widersprüche auf. Wirklichkeit hingegen hält diese aus. Meine Wirklichkeit ist umso wirklicher, je mehr sie die bestehende Dynamik von persönlicher Wahrnehmung und sozialer Verbundenheit in sich aufnehmen kann.

Leben in und mit Widersprüchen scheint somit eine grundlegend philosophische Kompetenz.

Wo bitte finde ich das wundervolle Leben?

Heute passiert etwas Verwunderndes. Nachdem es zwei Wortmeldungen gibt, das „wundervolle Leben“ sei eine Entscheidung für eine bewusste Haltung oder auch Perspektive, kehrt erst einmal Stille ein. Warum denn keine weiteren Wortmeldungen? Dann doch erste Versuche der Erklärung. Einer sagt, es sei doch auch eher „ungerecht“, ein wundervolles Leben für sich zu reklamieren, wenn es vielen auf der Welt so schlecht gehe..

Vielleicht ist die Frage nach dem wundervollen Leben auch eine moralische Frage.

Muss ich denn nicht umgehend meine Ressourcen, meinen Vorsprung an wundervollem Leben teilen, abgeben, gar zurückweisen? Darf ich, anders gefragt, mein wundervolles Leben überhaupt genießen? Manche erwidern, dass ihr Leben ohnehin auch bereits viele Schwierigkeiten mit sich bringe. Ein wenig wundervolles Leben sei da schon o.k. Ist es also so, dass es niemals ein vollständiges wundervolles Leben gibt, sondern lediglich Zeiten, Erfahrungen, Erlebnisse?

Ein wundervolles Leben kann auch als eine Sammlung positiver Erfahrungen verstanden werden.

Daran anknüpfend meint eine, dann wäre wohl nicht jeder Tag, jede Stunde, Minute wundervoll, jedoch im Rückblick kann eine solche Bewertung bezogen auf das Leben möglich sein. Nicht als eine Erwartung oder gar Forderung für die Zukunft, eher als eine Art Bilanz. Sozusagen im Rückspiegel. Damit umgehen wir vielleicht das moralische Problem, so entgegnen einige, jedoch beantworten wir nicht die Frage, welche Erfahrungen, Erlebnisse, Ereignisse tatsächlich wundervoll sind. Es folgt ein Hinweis auf den Wortsinn: Wunder – voll. Etwas wird als voller Wunder erlebt.

Wenn etwas Positives unerwartet eintritt, können wir dies als ein Wunder begreifen.

Ob sich tatsächlich Wunder in einem Leben ereignen, darin sind wir uneins. Einige behaupten, wundervoll sei an sich keine gute Beschreibung für Lebensereignisse, eher könne vom guten oder glücklichen Leben gesprochen werden. Andere wiederum entgegnen, dass wundervoll eben etwas ganz anderes sei als glücklich oder zufrieden, eben unerwartet. Auch könne ein wundervolles Lebensereignis ja gar nicht aktiv angestrebt werden. Aber vielleicht braucht es eine Offenheit dafür.

Eine grundsätzliche Offenheit für positive Erfahrungen scheint eine Voraussetzung für wundervolle Lebensereignisse zu sein.

Und damit scheint sogar fast ein Konsens gefunden. Auf jeden Fall bereichert es unser Leben positiv, wenn wir uns um eine solche Offenheit kümmern. Ob wir es dann als Wunder erleben, oder als Zufall oder als Geschenk oder als ein Erarbeitetes.

Wenn ich mich zu dieser Perspektive entscheiden möchte, geschieht eben auch wundervolles in meinem Leben. Und das wundervolle Leben ist in mir.

Worauf können wir wirklich vertrauen?

Wir starten mit Beispielen für etwas, in das wir vertrauen. Genannt werden die Naturgesetze, dass die Sonne aufgeht, ein Apfel immer nach unten fällt. Dann auch nahe Angehörige, Partner:innen, Kinder, Eltern. Schließlich auch uns selbst. Und sicher auch in unsere Sterblichkeit.

Vertrauen kann sich auf ganz unterschiedliche Dinge oder Menschen beziehen.

Nur, können wir wirklich so ganz sicher vertrauen? Fast alle haben die Erfahrung gemacht, dass Menschen Vertrauen enttäuschen oder gar missbrauchen können. Die Naturgesetze werden ständig neu gefasst in den Wissenschaften. Die Schwerkraft, wie wir sie für verlässlich halten, gilt nur in einer ganz bestimmten Region unseres Planeten, vom Erdboden bis in ein paar tausend Meter Höhe. Wie oft haben wir uns in uns selbst getäuscht? Einzig der Tod scheint so ganz sicher. Doch dann braucht es unser Vertrauen nicht.

Vertrauen mag nur dort einen Sinn haben, wo wir keine Gewissheit haben.

Damit erscheint unsere Frage in einem ganz anderen Licht. ein wir auf das vertrauen, dessen wir nicht sicher gewiss sind, so ist die Frage nach dem „wirklich vertrauen“ hinfällig. Oder zumindest wird das Vertrauen zu einer Entscheidung. Ich vertraue zum Beispiel dir. Sicher habe ich gute Gründe dazu. Nicht jedem schenke ich mein Vertrauen. Jedoch, wüsste ich ganz sicher, dass ich nicht enttäuscht werden kann, so müsste ich nicht vertrauen.

Vertrauen scheint vor allem eine Entscheidung zu sein, auf etwas oder eine Person zu vertrauen.

Warum tun wir Menschen das? Eine Antwort darauf ist, weil wir nicht anders können. Würden wir nichts und niemandem, vertrauen, so könnten wir unseren Alltag nicht leben. Wir können einfach nicht alles und jeden kontrollieren. Abgesehen davon, dass wir es auch aus moralischen Erwägungen nicht wollen. Dennoch sind wir auf der anderen Seite frei zu entscheiden, auf welche Bereiche sich unser Vertrauen erstreckt.

Das wir vertrauen hat auch einen moralischen Aspekt.

Wir können und wollen vertrauen und entscheiden uns für die Dinge und Menschen, denen wir vertrauen. Diese Gabe an Vertrauen wird möglicherweise erwidert und es entsteht ein Netz von Vertrauen. Dieses Netz hält nicht nur uns, sondern auch viele andere. Es entsteht eine Ethik des Vertrauens. Das mag auch der Grund dafür sein, dass wir stets an etwas Gutes denken, wenn wir vertrauen.

Zu vertrauen und Vertrauen zu bestätigen lässt ein stabiles soziales Netz entstehen.

Sicher haben Menschen und auch Dinge zu allen Zeiten Vertrauen enttäuscht. Jedoch ist der grundsätzliche Sinn von Vertrauen dadurch nicht eingeschränkt.

Es ist gut zu vertrauen.

Ist das Schöne alltäglich oder ist es besonders?

Sonderausgabe! Eine besondere Atmosphäre. Die Düsseldorfer Künstlerin Lara Rottinghaus hat einige ihrer großformatigen Bilder mitgebracht. Portraits von verschiedenen Menschen in alltäglichen/ nicht alltäglichen Szenen. Gänsehaut beim Titelsong „Beautiful“, live gesungen von Sarah Seppendorf. Auf jeden Fall hat die Sonderausgabe etwas Besonderes zu bieten!

Wir beginnen mit einer weiteren Frage: Ist „schön“ eine Empfindung, ein Gefühl oder wohnt es den Dingen oder Personen inne, die wir wahrnehmen? Manche meinen, dass es uns „passiert“, Alltägliches kann plötzlich in uns etwas berühren, wir sind „ergriffen“ und nehmen eine bestimmte Schönheit wahr. Andere sagen, dass es auch über die einzelne Erfahrung hinaus bestimmte Wahrnehmungsmuster gibt, welche viele Menschen als schön empfinden, wie zum Beispiel in der Kunst der „goldene Schnitt“.

„Schön“ kann als ein individuelles Gefühl wahrgenommen werden und auch als ein bestimmtes überindividuelles Muster.

Wir fragen uns auch, wie und in welchen Zusammenhängen wir das Wort „schön“ nutzen. Ein Bild ist schön, ein Auto, ein Sonnenuntergang, ein Musikstück, eine Person. Aber auch eine bestimmte Handlung kann in uns ein „schön gemacht“ auslösen. Nutzen wir manchmal das Wort „schön“ in Zusammenhängen, in denen es nicht angemessen ist? Zum Beispiel um etwas als wertvoll oder richtig zu bewerten, eine schöne (teure) Uhr, eine schöne (richtig gelöste) Rechenaufgabe? Manche meinen, dass wir vielleicht eine klare, also anfechtbare, Position vermeiden wollen.

Wir verwenden „schön“ manchmal weit über ästhetische Perspektiven hinaus.

Und damit kommen wir zu einem weiteren Aspekt von „schön“. Viele erklären, dass „etwas schön finden“ eine individuelle Erfahrung sei. Darum gebe es auch keine allgemein schönen Dinge oder Personen. Jede Person empfinde es eben anders. Streit über die Frage, dies oder jenes sei schön oder eben nicht könne daher nicht sinnvoll geführt werden. Dennoch, so geben einige zu bedenken, empfinden viele Menschen ein und dasselbe besonders und schön. Ist dies nur „Marketing“ und „Manipulation“? Oder teilen wir Menschen einfach einige Muster der Wahrnehmung, also auch des Schönen miteinander?

Manches wird als „Besonderes“ von vielen Menschen als „schön“ empfunden.

Damit ist es nicht mehr „alltäglich“. Ein berühmtes Gemälde oder Musikstück, ein Kinofilm, ein Popstar, eine bestimmte Landschaft. Manchmal, so weisen einige darauf hin, nutzt sich die Wahrnehmung des Schönen im Besonderen jedoch auch ab. So viel „Schönes“ in den Medien führe dazu, dass wir immer noch „Schöneres“ verlangen und das vormals Schöne nicht mehr als solches empfinden können. Ein Phänomen, dass wir insbesondere in der Popkultur wahrnehmen können. Daher braucht es immer Neues. Nun gebe es jedoch auch Jahrhunderte Altes, dass wir immer noch „schön“ finden, geben andere zu bedenken.

Manches scheint über Jahrhunderte „schön“ zu bleiben, manches „Schöne“ verblasst mit der Zeit.

Manchmal scheint „schön“ im Alltäglichen für uns zu liegen, manchmal im „Ewigen“ und manchmal auch im „Vergänglichen“, wie einer Kirschblüte. Vielleicht ist dies die Besonderheit des Schönen, dass es nicht ganz fassbar bleibt.

Lassen wir künstliche Intelligenz für uns denken?

Das vorherrschende Beispiel ist ein Gefühl: die Sorge um unsere Freiheit. Selber denken bedeutet uns viel, wir bestimmen selbst unsere Ziele, unsere Werte, unsere nächsten Schritte. Ist dies durch künstliche Intelligenz in Gefahr?

Selbst zu denken bedeutet uns den Mut zur Freiheit.

Warum und wozu nutzen wir künstliche Intelligenz? Sie nimmt uns Arbeit ab. Schreibt deine Hausaufgaben. Fasst eure Sitzung zusammen in einem Wortprotokoll. Schreibt ihr Gutachten zur Hausarbeit eines Studenten. Dessen Hausarbeit hat eine KI geschrieben. Erstellt eine Mindmap zu meinen Gedanken. Spricht mit ihm, auch wenn sie nicht mehr mit ihm spricht. Kann uns demnächst pflegen, wenn es keiner mehr tun wird.

Künstliche Intelligenz als eine Applikation kann uns Arbeit abnehmen.

Hier bereits fragen wir uns nach den möglichen Folgen. Werden wir dümmer? Verlieren wir Kompetenzen? Vielleicht nicht, wenn wir die Ergebnisse der Arbeit künstlicher Intelligenz selbst werten und entscheiden, wieviel wir nutzen. Wir fragen uns auch, was wir unter „Denken“ verstehen und wodurch es sich von einer intelligenten Rechenleistung unterscheidet. Vielleicht dadurch.

Menschliches Denken ist vielleicht mit „Rechenleistung“ nicht hinreichend beschreibbar.

Sprechen wir von menschlichem Denken, so stellen wir es oft in Zusammenhang mit Bewusstsein. Ich weiß, dass ich denke. Dadurch unterscheide ich mich von mir. Weil ich mir selbst ein anderer bin, kann ich etwas tun, dass ich nicht denke. Kann ich etwas denken, dass ich nicht tun werde. Wir sind organische Körper. Und wir sind Denken und Vorstellung.

Unterbreche ich den Fluss des Denkens, ist der Mensch noch da.

Unser Denken scheint ein wundervoller Reflex unseres physischen Seins. Fähig zu Philosophie, Liebe und Spiritualität. Was sollte es Größeres geben?

Was kann KI? Wird sie uns evolutionär „überholen“? Den organischen Körper gänzlich verlassen, der doch nur hinderlich ist?

Am Ende mehr Fragen …

Was bringt uns in Verbindung miteinander?

Diesen Abend ist es nicht schwer, Beispiele zu finden und es steigt sich deutlich die große Kraft der sokratischen Haltung und Methode. Ausgehend von alltäglichen Beispielen gelangen wir Philosophierend zu allgemeinen philosophischen Aussagen. Vom „kürzesten Weg zwischen zwei Menschen“ – einem Lächeln – bis zur Frage der Existenz selbst reichen dabei die Argumente. Doch langsam der Reihe nach.

Wir beschreiben zunächst verschiedene Ebenen von Verbindung. Zum einen kann Verbindung entstehen, wenn wir uns schlichtweg begegnen. Mit einem Lächeln, mit einer Frage, mit einem Anliegen oder auch in einer Notlage. Dann kann Verbindung auch technisch erzeugt sein, über das Telefon, einen Videocall, Medien allgemein. Auch können viele Menschen über ein Thema verbunden sein, ohne sich individuell zu kennen, in einem Fußballstadion, einer politischen Initiative, einer Religion.

Verbindungen können in direkter Begegnung oder auch technisch oder durch ein gemeinsames Thema vermittelt entstehen.

Und hier entsteht auch bereits ein erster Dissens: sind dies alles bereits Verbindungen? Oder sollten wir unterscheiden zwischen Verbindungen und zum Beispiel Begegnungen oder Kontakten? Zumindest scheint es unterschiedliche Qualitäten von Verbindungen zu geben. Einige gehe ich freiwillig ein, andere nicht, wie zum Beispiel in der Familie. Auch kann sich die Verbindlichkeit der Verbindungen erheblich unterscheiden, zum Beispiel zwischen einer engen Freundschaft oder Partnerschaft und einem freundlichen Grüßen in der Nachbarschaft. Und da ist auch die Kollegin, die vielleicht gar nicht mit mir in Verbindung sein möchte.

Verbindungen können sich in ihrer Verbindlichkeit deutlich unterscheiden.

Überhaupt scheint der Wortstamm Verbindung/Verbindlichkeit bedeutsam zu sein. Ich gehe eine Verbindung ein und binde mich an eine andere Person. Dies ist sogar in existenzieller Hinsicht lebensnotwendig, zumindest zu Beginn des Lebens. Ohne Verbindung kein Überleben. Damit wird nun auch das Lösen einer Verbindung wichtig. Vielleicht möchte ich gar nicht in Verbindung sein oder zumindest nicht mehr oder nicht in der Qualität.

Was mich in Verbindung bringt, erzeugt zugleich etwas, das eine Verbindung lösen kann.

Und da ist schließlich auch die Zeit, in der Verbindungen geschlossen werden und wieder gelöst. Freundschaften, Liebesbeziehungen, Arbeitsverträge, Ausbildungsgänge, Schulzeiten … Ja, auch mein Leben kann ich betrachten als eine immer enger werdende Verbindung mit mir selbst, vielleicht dann und wann in einer Krise unterbrochen und schließlich im Tod aufgehoben. Denn um eine Verbindung zu erleben, braucht es den Abstand zwischen mir und den anderen, zwischen mir und mir selbst.

Was uns in Verbindung bringt, sollte zugleich uns auseinander halten.

Vielleicht ist dies ein Trost, wenn wir uns nicht genug verbunden fühlen.