Warum vermissen wir einander?

Wir beginnen mit vielen Beispielen, was wir vermissen können. Zunächst natürlich geliebte Personen, Familienangehörige, Partnerpersonen, Freunde. Dann auch Personen, die wir vielleicht gar nicht mögen, aber gewohnt waren. Darüber hinaus auch Orte wie das Zuhause, der Geburtsort, einen Platz mit dem schöne Erfahrungen verbunden sind. Letzteres ist im engeren Sinne ja nicht „einander vermissen“, jedoch gilt auch das Argument, dass alle Orte schließlich auch immer mit Menschen verbunden sind. Selten vermissen wir menschenleere Orte. Aber auch das kommt vor.

Wir vermissen also oft Personen oder auch Orte, mit denen wir schöne Erfahrungen verbinden.

Und was sagt uns das Vermissen? Etwas fehlt, ein Mensch, ein Ort, ein schönes Gefühl. Da sind die zwei, die jahrelang eine Fernbeziehung geführt haben. Sie haben vermisst, der anderen Person ganz nah zu sein, zu berühren. Es ist, als ob diese eine Person etwas ganz Besonderes ermöglicht. Da ist die freundliche Großmutter und ihr Apfelkuchen. Seit sie gegangen ist, ist auch der Apfelkuchen nicht mehr derselbe. Vermissen scheint eine tiefe emotionale Spur in uns zu bezeichnen.

Was wir vermissen, ist auf eine gewisse Art nicht austauschbar, eben einzigartig.

Und das scheint die Spur zu sein, warum wir etwas vermissen. Eben weil es so einzigartig ist, so besonders, unersetzlich. Es fehlt einfach diese eine Person. Dieser eine Ort. Natürlich wäre es klüger, etwas anderes als Ersatz zu wählen. If you can’t have what you love, love what you have. Doch darum geht es nicht, wenn wir vermissen. Es spricht eine große Wertschätzung aus diesem Gefühl. Wenn nicht dies, dann gar nicht.

Das Vermissen bedeutet eine besondere Wertschätzung für eine bestimmte Person.

Warum also vermissen wir? Weil es uns das wert ist? Nun, wir sind uneins, ob es wirklich eine Wahl ist. Zu stark scheint manchmal das körperliche Vermissen, das schmerzliche Sehnen nach etwas Verlorenem.

Es mag also das Vermissen etwas in einem Zwischenraum sein.