Wie bestimmt unsere Sprache, wie wir die Welt sehen?

Ein schöner Abend in guter Stimmung, volles Haus, angeregte Gespräche. Wir beginnen mit einer Sammlung von Sichtweisen, welche durch unsere Sprache bestimmt werden. Da sind die vielen Gegenstände, die wir bezeichnen und dadurch sicher benutzen. Für ein neues technisches Gerät fragen wir nach der Bezeichnung und einer Anleitung zur Bedienung. Auch Sachverhalte oder Gefühle nehmen wir bewusst erst wahr, wenn wir sie bezeichnen können. Ist diese Situation gefährlich? Was bedeutet meine Gefühlslage? Diese Fragen beantworten wir uns selbst oder andere durch Sprache.

Dinge, Sachverhalte, Gefühle können wir durch Sprache bewusst wahrnehmen und einordnen.

Und dann ist da auch der Bereich zwischen uns Menschen. Ich erfahre über Sprache, was eine andere Person denkt, fühlt, was ihre Motivation ist zu handeln und welche Erwartungen an mich gestellt werden. So werden Kooperation und Arbeitsteilung und auch Trost und Anteilnahme ermöglicht. Und dann noch der ganze Bereich sprachlich vermittelten Wissens. Vieles von der Welt wissen wir nicht durch eigene Erfahrung, sondern durch die sprachlich vermittelte Erfahrung anderer.

Unsere Weltsicht wird durch die sprachlich vermittelten Sichten anderer massgeblich beeinflusst.

Gibt es Ausnahmen? Vielleicht die Sichtweisen über uns selbst. Wir erfahren uns doch unmittelbar, nicht vermittelt. Doch da sind auch die Sichtweisen und Überzeugungen über uns selbst, die wir von anderen gelernt haben. Sätze über unsere Fähigkeiten und Eigenschaften, die wir von unseren Eltern übernommen und nie hinterfragt haben. Ich bin „ruhig“ oder „lieb“ oder „folgsam“ oder „begabt“ oder auch „impulsiv“ oder „faul“ oder „böse“ oder „nicht talentiert“. Wir nehmen diese Sätze auf als Kinder, wenn wir noch lange nicht die sprachlichen Mittel Haben, uns selbst zu beschreiben. Wenn wir diese „Zuschreibungen“ als erwachsene Personen loswerden wollen, braucht es viel Anstrengung für neue geänderte Sätze über uns selbst.

Auch unsere Selbstwahrnehmung ist durch Sprache wesentlich beeinflusst.

Und mit Sprache sei hier nicht nur das gesprochene oder geschriebene Wort gemeint. So spricht die eine über Sprache mit Händen und Gesten, ein anderer über das Verstehen in einer sprachlich unverstandenen Welt, eine andere über nichtsprachliche Vermittlung von Gefühlen und Stimmungen und wieder ein anderer über kulturelle Codes, welche Communities oder Organisationen oder Gesellschaften strukturieren.

Unter Sprache verstehen wir alle Formen von Äußerungen zur Vermittlung von Welt oder uns selbst.

Dann auch haben wir den Verdacht, dass alle Worte unsere wirkliche Welt und uns Selbst nicht vollständig und wahrhaftig beschreiben können. Wer hat sich noch nicht über einen Sachverhalt geirrt? Warum „erfinden“ wir ständig neue Worte und Begriffe für Sachverhalte, welche nicht ausreichend bezeichnet sind? Wer fühlt sich in seinem Selbst oder durch Äußerungen anderer Personen vollständig zutreffend „beschrieben“? Es bleibt irgendwie ständig ein Unterschied zwischen unserem sprachlichen Vermögen und der Welt.

Vermittelt durch Sprache können wir immer nur einen Teil der Welt bestimmen.

Und hier scheint ein Ausweg aus dem Dilemma möglich. Wir können uns der sprachlich vermittelten Welt kritisch zuwenden. Uns der Überwertigkeit sprachlicher Vermittlung entgegen setzen. Sätze, Texte, Bilder, Filme – gesprochen, gehört, gesehen, wahrgenommen – stellen doch immer nur Teile der uns umgebenden Wirklichkeit oder von uns selbst dar. Zutreffend nur in bestimmten Aspekten. Niemals zureichend.

Wir können uns bemühen zu sagen, was sprachlich noch nicht existiert. Eben erst dadurch. Dann schreiben wir selbst Neues in die Sprache ein.

Machen wir die Welt besser?

Zunächst befragen wir die Frage. Was ist „besser“? Wer sind „wir“? Was ist „die Welt“? Im Philosophischen Café Von wegen Sokrates philosophieren wir von der Erfahrung aus. Vom Beispiel aus suchen wir das Allgemeine zu erfassen. Davon ausgehend sprechen wir selbst von unserer Erfahrung der Welt und unserem Gefühl für „besser“.

Im Philosophischen Café Von wegen Sokrates philosophieren wir von der Erfahrung aus.

Also suchen wir Beispiele dafür, wo oder wie wir die Welt besser machen. Da erzählt eine davon, wie sie Kindern in der Grundschule vorliest. Ein anderer empfindet es als gute Entwicklung, dass viele Menschen auf ihre Sprache achten und weniger Menschen sprachlich ausgegrenzt werden. Mehrere finden es wichtig, beim Einkaufen auf die Nachhaltigkeit der Produkte zu achten oder erst gar nicht zu kaufen.

Wir finden viele Beispiele für Handlungen, welche unserer Einschätzung nach die Welt besser machen.

Und wir hören auch kritische Beiträge. Wie können wir wissen, was für andere Menschen „besser“ ist? Bezeichnet es nicht bereits ein Machtgefälle, wenn wir davon sprechen, wie „gut“ wir über andere sprechen? Inwiefern haben wir Einfluß auf die Produktion und Nachhaltigkeit, auf den Warenverkehr und den Ressourcenverbrauch? Und woher wissen wir überhaupt, dass dies die Welt besser macht?

Unser Gefühl für „besser“ scheint nicht allgemein gültig zu sein.

Unser Gespräch führt uns in ein Dilemma. Wir haben das sichere Gefühl aus der Erfahrung, dass wir die Welt mit guten Handlungen zumindest in unserer unmittelbaren Welt besser machen. Wir können jedoch das Weltganze nicht überblicken oder verstehen und kennen weder das universelle „besser“ noch die Konsequenzen unserer Handlungen bevor sich diese einstellen.

Die Konsequenzen unserer Handlungen kennen wir erst nachdem wir uns bereits entschieden haben.

Wir behelfen uns mit der Erfahrung der Konsequenzen früherer Erfahrungen. Für einen guten Umgang mit den Ressourcen in der Welt können wir die Daten der Wissenschaften nutzen. Um andere Menschen zu verstehen und zu achten können wir öfter mit ihnen sprechen, als über sie. So finden wir auch heraus, ob wir die Welt anderer Menschen besser machen, wenn wir handeln.

Gerade weil wir nicht immer wissen, sollten wir achtsam der Welt begegnen.

Vielleicht können wir nicht immer wissen, wie wir die Welt besser machen. Aber wir können versuchen, achtsam zu sein und sie zumindest nicht schlechter zu machen.